Dynamikprozessoren (Kompressor, Gate usw.)

Die Dynamik betrachtet den Lautstärkeverlauf eines Audiosignals. Je höher die Dynamik, desto größer ist der Unterschied zwischen höchstem und niedrigstem Pegel. Effekte, die Änderungen an solchen Lautstärke-Verhältnissen vornehmen, werden als Dynamikprozessoren bezeichnet.

Prinzip

Allen Dynamikprozessoren liegt das gleiche Prinzip zu Grunde.Dynamikprozessor Das Eingangssignal wird ständig darauf geprüft ob es einen gewissen Pegel über- bzw. unterschreitet. Dieser Threshold genannte Wert kann gewöhnlich mittels eines Drehreglers frei gewählt werden. Je nach Typ des Dynamikprozessors setzt die Bearbeitung bei Über- oder Unterschreitung ein. Wird die Bearbeitung aktiviert, so wird ein dahinter liegender Pegelanstieg bzw. Pegelabfall verstärkt oder bedämpft. Wie stark und in welche Richtung diese Bearbeitung stattfindet wird mittels der Ratio festgelegt, die ebenfalls meist als Drehregler ausgeführt ist. Bei einer Ratio von 2/1 wird das Signal jenseits des Thresholds zusammengestaucht (Kompression), so dass Pegeländerungen dort nur halb so deutlich hervortreten. Eine Ratio von 1/2 sorgt für genau das Gegenteil: Pegeländerungen jenseits des Thresholds treten doppelt so stark hervor (Expansion). Eine Ratio von 1/1 würde das Signal unverändert zurücklassen.

Neben diesen grundlegenden Reglern eines Dynamikprozessors kommen gewöhnlich noch einige weitere hinzu. Mit dem Attack-Regler wird bestimmt wie lange nach passieren des Thresholds gewartet wird, bevor der Effekt zu arbeiten beginnt. Der Release-Regler sorgt für das Gegenteil. Wenn das Signal den Threshold wieder in die Gegenrichtung passiert setzt die Bearbeitung erst nach Ablauf der Release-Zeit aus. Um ein zu harsches Einsetzen des Effektes zu vermeiden gibt es außerdem oft einen so genannten Knee-Regler. Dieser bestimmt, ob der Effekt direkt mit voller Kraft einsetzt (Hard-Knee) oder sich erst graduell aufbaut (Soft-Knee). Da sich bei der Dynamikbearbeitung der Durchschnittspegel des Signals ändert, kann dieser mittels eines Makeup-Gain-Reglers nach der Bearbeitung nachjustiert werden.

Dynamikprozessoren: Varianten

dynamikbearbeitende Effekte, DynamikprozessorenMit diesem zu Grunde liegenden Prinzip lassen sich verschiedene Untertypen des dynamikbearbeitenden Effektes realisieren. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Grundkathegorien: Kompressor und Expander. Bei einem Kompressor wird entweder der Bereich oberhalb des Thresholds komprimiert (Downward-Compression) oder der unterhalb des Thresholds expandiert (Upward-Compression). Ein Expander verrichtet genau das Gegenteil. Hier wird entweder der Bereich oberhalb des Thresholds expandiert (Upward-Expansion) oder der unterhalb des Thresholds komprimiert (Downward-Expansion). Im Groben lässt sich sagen, dass das Ausgangssignal eines Kompressors, nachdem der Durchschnittspegel mittels Makeup-Gain wiederhergestellt wurde, in seiner Dynamik eingeschränkt ist, während das eines Expanders erweitert wurde.

Ein Kompressor, dessen Ratio eine höhere Einstellung als 1/10 hat, wird Limiter genannt. Die Kompression erreicht hier eine derartig hohe Wirkung, dass der komprimierte Signalanteil über nahezu keine Dynamik mehr verfügt. Limiter werden gewöhnlich verwendet um eventuelle Pegelspitzen abzufangen und somit eine Übersteuerung zu verhindern.

Gates eignen sich zum Ausfiltern von leisen Störgeräuschen.

Wählt man vergleichbare Einstellungen bei einem Expander wird von einem Gate gesprochen. Gates arbeiten oft sogar mit einer Ratio von ∞/1 was bedeutet, dass das Signal unterhalb des Thresholds komplett stummgeschaltet wird. Dies ist praktisch um leise, im Signal vorhandene Hintergrundgeräuschezu eliminieren, so lange kein Nutzsignal vorhanden ist. Gates verfügen oft zusätzlich über eine so genannte Hysterese-Schaltung. Dabei handelt es sich um zwei getrennte Thresholds. Der erste muss überschritten werden, damit das Signal zu hören ist. Der zweite muss unterschritten werden damit das Signal wieder stumm geschaltet wird.

Arbeiten mit Kompressoren

Buchempfehlung: “Mixing with your Mind” von Michael Stavrou

Während die Einstellungen von Gates und Limitern recht intuitiv sind und Expander in der Praxis kaum Anwendung finden, ist das Bedienen eines Kompressors sehr vielschichtig und nicht immer leicht zu meistern. Dies kommt daher, dass der Effekt eines gut eingestellten Kompressors nur sehr schwer wahrzunehmen ist. Erst im Zusammenspiel mit anderen komprimierten Signalen wird der Effekt wirklich spürbar: Der Mix wirkt (bei guten Einstellungen) deutlich aufgeräumter und transparenter. Eine praktische Methode die sicherstellt, dass der Benutzer beim Einstellen eines Kompressors wirklich merkt was er tut, wird von Michael Stavrou in seinem Buch „Mixing with your Mind“ vorgeschlagen und soll hier kurz zusammengefasst werden.

Hier die Schritt-für-Schritt-Erklärung zur Einstellung des Kompressors

Zuallererst stellen wir dafür die Ratio auf den größtmöglichen Wert ein, Attack und Release auf den kleinstmöglichen Wert und den Threshold so, dass es möglichst häufig über- und wieder unterschritten wird. Auf diese Weise ist die Arbeit des Kompressors sehr gut hörbar (auch wenn das ganze recht fragwürdig klingt.) Nun fangen wir an langsam die Attack-Zeit zu erhöhen bis der Klang die gewünschte Form annimmt. Je höher die Attack-Zeit ist, desto mehr kommt von den Threshold überschreitenden Pegelspitzen durch bevor der Effekt einsetzt, was zu einer Betonung der Anschlagsgeräusche führt. Haben wir unsere Attack-Zeit gewählt, wird es Zeit für den Release-Regler. Dessen Effekt ist meist etwas schwerer wahrzunehmen. Je größer die Release-Zeit ist, desto weiter entfernt klingt das Signal. Hilfreich ist es dabei nicht nur auf das eigentliche, vordergründige Signal zu achten sondern besonders auch auf die Hintergrundgeräusche, die teilweise deutlich stärker beeinflusst werden und bei manchen Einstellungen rythmisch mitgrooven.

Sind Attack und Release gefunden, darf der Threshold nachjustiert werden. Hier empfiehlt es sich zuerst einmal Extremeinstellungen auszuprobieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen wie der Threshold sich auf das jeweilige Singal auswirkt. Letztendlich sollte er aber immer so gewählt werden, dass er vom Eingangssignal regelmäßig aber nicht dauerhaft überschritten wird.

Zu guter Letzt wird die Ratio zurückgefahren. Gängige Werte sind hier 2/1 bis 6/1 wobei letzterer schon recht hoch ist. Waren die Einstellungen erfolgreich, sollte die Bearbeitung nun kaum noch wahrzunehmen sein. Erst im Zusammenspiel mit anderen Spuren merkt man, dass das Signal deutlich weniger dazu neigt hinter diesen zu verschwinden.

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