Die Effekt-Serie: das Delay

Das Delay ist ein oft unterschätzter Effekt. Die meisten assoziieren es mit einem schlichten Echo. Dass man mit einem Delay aber noch viel mehr machen kann, soll im Folgenden erläutert werden.

Wie funktioniert ein Delay?

Das Delay ist eine verzögerte Ausgabe des gerade aufgezeichneten Signals.

Urvater des Delays ist das klassische, analoge Bandecho. Hierbei handelt es sich um eine Bandmaschine die anstelle von einer Tonbandspule von einer Bandschleife durchlaufen wird. Ein anliegendes Signal wird vom Schreibkopf aufs laufende Band gebracht und schließlich ein paar Zentimeter weiter vom Lesekopf zeitverzögert wieder ausgelesen. Durch Regulierung der Bandgeschwindigkeit kann dabei die Länge der Verzögerung bestimmt werden.

Das Signal des Lesekopfes kann nun als Echo zum EingangssignalDelay; audiointerface.net hinzugemischt werden. Außerdem kann das Lesekopf-Signal meistens auch dem des Schreibkopfes hinzugemischt werden. Wie stark dies der Fall ist, wird mit Hilfe eines so genannten Feedback-Reglers bestimmt. Auf diese Weise tritt das Echo nicht nur einmal auf, sondern wiederholt sich periodisch. Je nachdem ob das Schreibkopf-Signal lauter oder leiser als das Eingangssignal hinzugemischt wird, schaukeln sich diese Wiederholungen nach und nach auf oder ab. Im digitalen Zeitalter werden Bandechos natürlich nur noch von Liebhabern benutzt. Anstelle einer Bandschleife wird heute ein digitaler Puffer verwendet. Das Prinzip bleibt jedoch das gleiche.

Anwendungen für Delays

Rhytmische Synchronisation erzeugt räumlichen Klang.

Es bleibt die Frage was man denn jetzt mit so einem Delay abgesehen vom typischen Echoeffekt noch so alles anstellen kann. Zum ersten sei gesagt, dass ein solcher Echo-Effekt alleine schon sehr praktisch sein kann. Synchronisiert man ihn zum Rhythmus des Songs (was in den meisten Plugins mit einem einzelnen Klick machbar ist), kann ein Delay beispielsweise eine spürbare Räumlichkeit erzeugen ohne das gefürchtete Zumatschen eines Halls. Durch die rythmische Synchronisierung nimmt man die eigentlichen Echos außerdem fast nicht wahr, da sie sich sehr gut in das Gefüge des Songs einpassen.

Auch eine Änderung der Klangfarne lässt sich erreichen.

Wählt man eine sehr kurze Delayzeit (wenige Millisekunden) dann tritt ein so genannter Kammfilter-Effekt auf. Das Original- und das verzögerte Signal sind so nah beieinander, dass ihre gegenseitige Phasenbeziehung zu periodischen Anhebungen und Absenkungen im Frequenzgang führen. Das eigentliche Echo ist nicht mehr hörbar. Stattdessen schlägt sich der Effekt in einer Veränderung der Klangfarbe nieder. Diese ist zwar meist unerwünscht, kann aber beispielsweise verzerrten Gitarren helfen ein alternatives Klangbild zu bekommen, das besser in den Mix passt.

Delay; audiointerface.deDie meisten Delays verfügen darüber hinaus noch über ein paar andere Features. Besonders wichtig ist dabei ein Oszillator, mit dem die Delayzeit des Effektes moduliert werden kann. Meist lässt sich dabei die verwendete Wellenform wählen. Modulieren wir beispielsweise in unserem obigen Kammfilterbeispiel die Delayzeit mit einer Sinuswelle (nicht zu stark) erhalten wir einen Flanger. Wählen wir stattdessen Random als Oszillator-Wellenform bekommen wir einen Doubler. Haben wir zugriff auf mehrere Delays, können wir durch Kombinationen von Doublern einen Chorus erzeugen.

Eine weitere Anwendung für Delay ist das Einphasen verschiedener Spuren. Arbeiten wir beispielsweise mit einer Schlagzeug-Aufnahme, können wir auf alle Spuren außer den Overheads ein Delay legen. Als Nächstes hören wir uns nur die Bassdrum und die Overheads gemeinsam an und erhöhen dann in winzigen Abständen (am besten Sample für Sample) das auf der Bassdrum liegende Delay. (Hier sollte natürlich nur das verzögerte Signal zu hören sein. Das Originalsignal sei stumm geschaltet.) Wir werden merken, dass die Bassdrum bei manchen Einstellungen mehr und bei anderen weniger knackig kling. Dies liegt daran, dass der Schall von der Bassdrum zum Bassdrum-Mikro deutlich weniger Zeit braucht als der von der Bassdrum zu den Overhead-Mikros. Mit der richtigen Verzögerung kann dies ausgeglichen werden. Nicht immer muss dabei so nachgeregelt werden, dass beide Signale tatsächlich gleichzeitig erklingen. Was gefällt ist erlaubt! Wenn wir dies auch noch mit allen anderen Spuren gewissenhaft durchführen, erhalten wir am Ende einen deutlich druckvolleren und transparenteren Gesamtmix.

Moderne-Delays

Während unser Bandecho noch für eine strikte Mono-Bearbeitung gedacht war, bieten moderne, digitale Delays meist auch Stereofunktionen. Im Grunde handelt es sich dann um zwei Delays (je eins pro Kanal) die auf verschiedene Weise verschaltet werden können. So können Echos nach jedem Durchgang die Seite wechseln oder im Panorama herumwandern. Meist lässt sich heute auch nicht nur die Delayzeit modulieren, sondern alle nur denkbaren Parameter, was zu einer schier unfassbaren Fülle an Möglichkeiten führt.

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