Was ist eigentlich symmetrische Kabelführung?

Wer sich ein Homestudio einrichten möchte lernt schnell, dass es Kabel gibt die als symmetrisch und solche die als unsymmetrisch bezeichnet werden. Doch was genau ist damit gemeint?

Wenn ein Objekt zum Schwingen gebracht wird, entstehen in der umgebenden Luft Schallwellen. Diese breiten sich kugelförmig aus. Befinden wir uns an einem Punkt im Raum, können wir die Schallwellen als Schwankungen im Luftdruck messen. In einer absolut stillen Umgebung hat der Luftdruck einen konstanten Wert. Tritt ein Schallereignis auf, beginnt er um diesen ursprünglichen Wert herum zu schwingen.

Mittels eines Mikrofons lassen sich Schallschwingungen in Stromschwingungen umwandeln. Genau wie beim Luftdruck gibt es auch hier einen Referenzwert um den geschwungen wird: Die Masse. Sie belegt bei jedem Audio-Kabel eine der Adern. In einer weiteren Ader wird das Nutzsignal geführt. Dabei handelt es sich um Wechselstromwellen, die (genau wie beim Schall) als Spannungsschwankungen gegenüber der Masse gemessen werden.

Mittels dieser zwei Adern ließe sich ein Signal bereits sehr gut übertragen, gäbe es keine Störeinstreuungen. Betrachten wir dafür nochmal die Schallanalogie. Möchte man ein bestimmtes Schallereignis isoliert aufzeichnen, ist man gewöhnlich mit dem Problem der Nebengeräusche konfrontiert. Der Luftdruck im Raum wird schlicht nicht nur von der einen Quelle zum Schwingen gebracht.

Genauso verhält es sich mit einem Audiokabel. Wir sind umgeben von sich verändernden, elektromagnetischen Feldern die alle samt mit dem Signal im Kabel wechselwirken. Ein Paradebeispiel ist das klopfende Geräusch eines kommunizierenden Handys, das sich in der Nähe eines Verstärkers befindet. Um solche Störeinstreuungen zu minimieren wird sich eines cleveren Tricks bedient: Der so genannten symmetrischen Kabelführung.

Bei der symmetrischen Kabelführung enthält das Kabel noch eine zusätzliche dritte Ader. Diese wird ebenfalls mit dem Nutzsignal beschickt. Allerdings wird dieses vorher um 180° in der Phase gedreht. An den beiden Signal-Adern liegt jetzt also immer die entgegengesetzte Spannung an. Führt man beide zusammen löschen sich die gegensätzlichen Spannungen vollständig aus und es ergibt sich das gleiche Signal wie bei der Masse (nämlich keines).

Dies ist natürlich nur der Fall, wenn es keine Störeinstreuungen gegeben hat. Diese wirken ja auf das Kabel erst nach der Phasendrehung ein und liegen folglich in beiden Adern gleichphasig vor. Beim Zusammenführen der beiden Adern löscht sich also nur das Nutzsignal vollständig aus. Die Störeinstreuungen bleiben vorhanden.

Das kling jetzt erstmal nach einer denkbar schlechten Situation. Das Nutzsignal ist weg und wir haben nur die Störungen? Mit einem kleinen Kniff lässt sich die ganze Sache aber zum positiven wenden. Es genügt, am Ende des Kabels das Signal der phasengedrehten Ader noch ein weiteres mal zu drehen. Jetzt sind beide Nutzsignale wieder gleichphasig und verstärken einander anstatt sich auszulöschen. Dem bisher gleichphasigen Signal der Störeinstreuungen ist aber genau das umgekehrte Schicksal beschert. Sie löschen sich gegenseitig aus.

Es ist klar ersichtlich, dass symmetrische Kabel gegenüber unsymmetrischen einen entscheidenden Vorteil bringen. Besonders bei langen Kabelstrecken und in Räumlichkeiten mit vielen elektrischen Geräten sind sie unumgänglich. Wenn ein Gerät die Wahl lässt symmetrische oder unsymmetrische Kabel anzuschließen, sollte immer der ersten Möglichkeit der Vorzug gewährt werden.

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